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10.07.2020 Blog

Für ein nachhaltig wirkendes Wirtschaftswachstum braucht Europa ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz

Mit Wasserstoff als Energieträger will Europa die Wirtschaft nachhaltig stärken und einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten.

Einen Monat nach der Bundesregierung hat dafür die Europäische Kommission im Juli 2020 ihren „Vorschlag für eine EU-Wasserstoffstrategie“ vorgelegt. Daneben hat sie den „Vorschlag für eine Strategie zur Integration des Energiesystems“ vorgestellt und als Ergänzung die Initiative einer "Europäischen Wasserstoffallianz für sauberen Wasserstoff" ins Leben gerufen.

Frans Timmermans, der für die Wachstumsstrategie der EU für eine nachhaltigere Wirtschaft zuständige Exekutiv-Vizepräsident der EU-Kommission, erklärte: „Die neue Wasserstoffwirtschaft kann ein Wachstumsmotor sein, der zur Überwindung der durch COVID-19 verursachten wirtschaftlichen Schäden beträgt.“

 

Grenzüberschreitendes Wasserstoffnetz als „Enabler“ eines europäischen wettbewerblichen Wasserstoffmarktes

Diese Einschätzung teilen auch die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber Gas. „Die Europäische Union setzt in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs mit der Europäischen Wasserstoffstrategie die richtigen Ziele und ein wichtiges, positives Signal für den Aufbau einer wettbewerblichen Wasserstoffwirtschaft“, so Inga Posch, Geschäftsführerin von FNB Gas. So sei das Zusammenwachsen des Binnenmarktes in den meisten Märkten gelebte europäische Realität. „Nun wird es Zeit für den Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarktes. Ein überregionales und grenzüberschreitendes Netz für den Transport von Wasserstoff ist der „Enabler“ bzw. die Plattform für diesen neuen Markt und darf in der Entwicklung nicht hintenanstehen.“ so Inga Posch. Wie die Bundesregierung, erkennt die Europäische Kommission in ihrer Wasserstoffstrategie die herausragende Bedeutung der bestehenden Gasinfrastruktur an. „Wir fordern daher die Bundesregierung auf, dass sie die EU-Ratspräsidentschaft nutzt, gezielt die Gasinfrastruktur als Rückgrat einer Wasserstoffwirtschaft zu fördern. Dazu benötigen wir die Beseitigung bestehender rechtlicher und regulatorischer Hindernisse, die Berechtigung für Gasnetzbetreiber regulierte Wasserstoffnetze zu errichten und zu betreiben und einen diskriminierungsfreien Netzzugang.“

Der grenzüberschreitende Transport von Wasserstoff stellt auch ein wesentliches Element beim Aufbau eines funktionierenden nationalen Wasserstoffmarktes dar. Ein Großteil des deutschen Erdgasbedarfs wird aktuell über Importe gedeckt. Um den zukünftigen Bedarf von klimaneutralen gasförmigen Energieträgern zu decken, werden weiter Importe notwendig sein. Für 2030 wird in der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) von einer inländischen Erzeugung von grünem Wasserstoff von bis zu 14 TWh ausgegangen. Dem gegenüber steht ein prognostizierter Wasserstoffbedarf von 90 - 110 TWh. Es muss somit schon frühzeitig einen grenzüberschreitenden Transport von Wasserstoff geben. Im NEP Gas 2020-2030 ist ein Import von Wasserstoff aus den Niederlanden bereits im Jahr 2025 vorgesehen. Ein Import aus Dänemark und ggf. weiteren Anrainerstaaten ist bis zum Jahr 2030 wahrscheinlich.

Einen wichtigen Vorschlag zur Realisierung eines grenzüberschreitenden Wasserstoffnetzes haben im Juli 2020 elf europäische Fernleitungsnetzbetreiber mit ihrem Plan für einen Europäischen Wasserstoff Backbone – ein Konzept für eine reine Wasserstofftransportinfrastruktur – präsentiert. Die Unternehmen planen bis 2040 ein Fernleitungsnetz mit einer Länge von 23.000 Kilometern zu errichten. Das reine Wasserstoffnetz wird zu 75 Prozent aus bestehenden Erdgasleitungen bestehen, die umgewidmet und durch neu zu bauende Leitungsabschnitte miteinander verbunden werden.

Weitere Informationen sowie Karten zum Europäischen Wasserstoff Backbone finden Sie unter:

https://www.ontras.com/fileadmin/Dokumente_Newsroom/Presseinformationen/20200715_European_Hydrogen_Backbone_Report.pdf

 

Vordenker aus Deutschland

Auf deutscher Ebene hatte FNB Gas bereits im Januar einen ersten Schritt in Richtung einer zukünftigen Wasserstoffwirtschaft aufgezeigt. Das visionäre Wasserstoffnetz, das FNB Gas in enger Abstimmung mit den Marktteilnehmern entwickelt hat, umfasst 5.900 Leitungskilometer und basiert zu 90 Prozent auf dem bestehenden Fernleitungsnetz. Es zeigt auf, wie mit Hilfe des Gasfernleitungsnetzes zukünftige Verbrauchsschwerpunkte mit Wasserstoff versorgt werden könnten.

Die Netzkarte mit Erläuterungen für ein visionäres Wasserstoffnetz der FNB Gas finden Sie unter:

https://www.fnb-gas.de/media/erlaeuterungen_zur_visionaeren_h2-karte.pdf

 

Die Europäische Wasserstoffstrategie ist wichtig für die Erreichung der Klimaschutzziele

Die Europäische Wasserstoffstrategie ist zudem ein wichtiger Baustein für das Ziel der Europäische Union, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Um die Klimaneutralität in der EU voranzubringen, bedarf es erheblicher Anstrengungen zur Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr, Gebäuden und insbesondere dem Energiesystem. Klimafreundlicher Wasserstoff kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Mithilfe der Wasserstoffstrategie soll Wasserstoff bis zum Jahr 2030 auf EU-Ebene wettbewerbsfähig gemacht werden. Die Energie zur Herstellung soll möglichst aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windkraft kommen. Dafür besitzt Europa ein erhebliches Potential: z.B. PV/Wind in Spanien und Portugal sowie Wind in Niederlanden, Schottland, England, Irland, Dänemark, Schweden und Finnland aber auch vielen osteuropäischen Ländern. Dieses Erzeugungspotential ist in vielen Fällen als Strom nicht nutzbar. Über Power - to - Gas kann dieser regionale Überschussstrom dazu beitragen, das europäische Energiesystem zu dekarbonisieren, da Wasserstoff grenzüberschreitend mit moderatem Aufwand über Pipelinesysteme über weite Entfernungen transportiert werden kann. Nur auf diesem Wege wird die Verbindung von weit auseinanderliegenden und damit oftmals grenzüberschreitenden Erzeugungs- und Verbrauchszentren gewährleistet. Dadurch wird die Versorgungssicherheit gestärkt und für einen liquiden Markt gesorgt.

Kurz- und mittelfristig werden jedoch auch andere Arten CO2-armen Wasserstoffs erforderlich sein‚ hauptsächlich um die heutigen Emissionen bei der Wasserstofferzeugung z. B. aus Erdgas rasch zu verringern und die Verbreitung von erneuerbarem Wasserstoff zeitgleich und für die Zukunft zu unterstützen.

Den Vorschlag für eine Europäische Wasserstoffstrategie und für eine Strategie zur Integration des Energiesystems finden Sie unter:

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_20_1259

 

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