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25.10.2019 Meldung

energate Interview mit Inga Posch: "Die Gasinfrastruktur ist das Rückgrat einer Wasserstoffwirtschaft"

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Ergebnisse des Dialogprozesses "Gas 2030" vorgestellt. Demnach soll Erdgas noch für viele Jahre Bestandteil des Energiesystems sein und dann nach und nach durch erneuerbare und dekarbonisierte Gase ersetzt werden. Wie die Branche das Bekenntnis der Bundesregierung aufnimmt und wie der Weg in eine grüne Gaswelt aussehen kann, darüber sprach energate mit Inga Posch, Geschäftsführerin der Netzbetreibervereinigung FNB Gas.

energate: Gasförmige Energieträger sollen in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium zum Abschluss des Dialogprozesses "Gas 2030" herausgestellt. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Inga Posch: Wir erachten es als essenziellen Meilenstein, dass das Wirtschaftsministerium gasförmige Energieträger als langfristig notwendigen Bestandteil der Energieversorgung in Deutschland anerkennt. Das ist nicht nur mit Blick auf das Dekarbonisierungspotenzial gasförmiger Energieträger eine wichtige Botschaft, sondern auch vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit und der zukünftigen Systemstabilität.

Wir sind fest davon überzeugt, dass die Gasinfrastruktur und erneuerbare sowie dekarbonisierte Gase eine unverzichtbare Rolle im Energiesystem der Zukunft spielen werden. Erneuerbare und dekarbonisierte Gase bringen klimaneutrale Energie in Sektoren, die nur schwer oder teuer zu elektrifizieren sind. Im Wärmesektor beispielsweise wird Gas aktuell mit einem Anteil von fast 50 Prozent genutzt. Eine vollständige Elektrifizierung dieses Sektors wäre mit Blick auf die volatile Einspeisung der erneuerbaren Stromerzeugung und der hohen Saisonalität der Wärmenachfrage um ein Vielfaches teurer und aufgrund der fehlenden elektrischen Langfristspeichermöglichkeiten unrealistisch. Auch im Verkehr aber insbesondere in der Industrie spielen gasförmige Energieträger eine zentrale Rolle zur Erreichung der Klimaziele wird es daher neben der Nutzung von Biomethan sukzessive zu einer Substitution von Erdgas vor allem durch grünen beziehungsweise blauen Wasserstoff sowie synthetisches Methan kommen müssen. Um diese Transformation effizient zu gestalten, braucht es in Deutschland und Europa einen Markt für diese grünen Gase.

energate: Welche Schritte müssen jetzt folgen, um das Bekenntnis in die Tat umzusetzen?

Posch: Politik und Wirtschaft stehen am Beginn eines grundlegenden Transformationsprozesses hin zu einer im Wesentlichen CO2-freien beziehungsweise -neutralen Gaswirtschaft. Auf dem Weg in das Energiesystem der Zukunft werden wir alle verfügbaren erneuerbaren und dekarbonisierten Gase, wie zum Beispiel auch blauen Wasserstoff und synthetisches Methan brauchen. Um diesen Wandel steuerbar und effizient zu realisieren, erachten die Fernleitungsnetzbetreiber die Einführung einer Quote für erneuerbare und dekarbonisierte Gase für ein wirksames und zielorientiertes Instrument, um CO2 unmittelbar und sozialverträglich einzusparen. Wir empfehlen daher die Aufnahme einer Grüngasquote in den Maßnahmenkatalog des Klimaschutzprogramms 2030.

Die Verpflichtungen zur Erfüllung dieser Quote für Gaslieferanten sollte im Jahr 2021 mit einem Anteil von einem Prozent (6,7 TWh) des Endenergieverbrauchs für Gas beginnen und bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent anwachsen, um eine Dekarbonisierung der Gaswirtschaft bis 2050 zu ermöglichen. Je nach Mix aus erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen kann nach FNB-Gas-Berechnung im Zeitraum von 2021 bis 2030 eine CO2-Reduktion bis zu 70 Mio. Tonnen erzielt werden.

energate: Wie kann aus Ihrer Sicht der Weg in die Wasserstoffwelt aussehen?

Posch: Die Fernleitungsnetzbetreiber arbeiten intensiv daran, ihr Netz auf die Integration erneuerbarer und dekarbonisierter Gase wie Wasserstoff vorzubereiten, angefangen von der Netzplanung im Rahmen des Netzentwicklungsplans Gas bis hin zu sehr konkreten Power-to-Gas-Projekten und Überlegungen zum Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Die Gasinfrastruktur ist nicht nur unverzichtbar im Energiesystem der Zukunft, sie ist auch das Rückgrat für die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft.

Die Fragen stellte Thorsten Czechanowsky, energate-Redaktion Essen.

Der Artikel erschien im ener|gate messenger am 21. Oktober 2019.

https://www.energate-messenger.de/news/196016/posch-die-gasinfrastruktur-ist-das-rueckgrat-einer-wasserstoffwirtschaft-


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