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Energieversorgung in Deutschland durch Gasimporte

Als zweitwichtigster Primärenergieträger im deutschen Energiemix leistet Gas, einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung. Neben dem Wärmebereich kommt Gas auch für industrielle Fertigungsprozesse, als Kraftstoff im Straßenverkehr und zur Stromerzeugung in Gaskraftwerken zum Einsatz.

Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland nur über wenige, hinsichtlich der Produktionsmengen stark abnehmende heimische Erdgasvorkommen und ist auf Erdgasimporte aus dem Ausland angewiesen. Knapp sechs Prozent des Gasverbrauchs können derzeit noch durch die inländische Erdgasproduktion abgedeckt werden – vor allem aus Niedersachsen, aber auch in Schleswig-Holstein (Nordsee) und Nordrhein-Westfalen. Daneben gibt es kleinere Lagerstätten im bayerischen Alpenvorland, im Oberrheintal, im Thüringer Becken und in Sachsen-Anhalt. 2016 betrug die inländische Erdgasproduktion laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) etwa acht Milliarden Kubikmeter. Rund ein Prozent, knapp eine Milliarde m³, ist Biomethan aus regional einspeisenden Biogasanlagen. Mehr als 90 Prozent des inländischen Erdgasverbrauchs müssen deshalb importiert werden – vorwiegend aus Russland, Norwegen und den Niederlanden.

Erdgas wird durch Bohrungen aus den unteren Erdschichten – sowohl an Land als auch unter Wasser – gewonnen. Dabei strömt das Gas, das meist unter großem Druck in kleinen Gesteinsporen eingeschlossen ist, durch die in unterschiedlicher Tiefe befindlichen Bohrlöcher an die Oberfläche. Dieser Vorgang, dem geologische Erkundungsarbeiten vorangehen, ist in der Gaswirtschaft Teil des sogenannten Upstreams. Gemeint sind damit alle Maßnahmen zur Förderung von Erdgas.

Die zum Teil notwendige, anschließende Aufbereitung von Gas für den Transport zählt hingegen bereits zum Downstream. Dazu zählt auch der Handel am Markt. Dabei kaufen Händler Gasmengen je nach Anforderungen und Bedarf. Mit zunehmender Liquidität des Marktes agieren auch Trader am Markt, die nur mit dem Wert von Gasmengen, nicht mit den Mengen selbst handeln. Die Gaslieferungen aus den weltweiten Erdgas-Reserven in das deutsche Leitungsnetz sowie der inländische Transport erfolgen vorrangig über unterirdisch verlegte Rohrleitungen.

Gasimporte über Pipelines und Tankschiffe

Der Transport von Erdgas ist nicht nur über Pipelines möglich. Auf minus 161 Grad Celsius heruntergekühlt verflüssigt sich das Gas und kann dann als sogenanntes LNG (Liquefied Natural Gas) in Tankschiffen auf dem Seeweg geliefert werden. Auf diese Weise gelangen auch Lieferungen aus Übersee – etwa aus den USA, Katar oder Algerien – ins deutsche Gasnetz. Durch die Änderung des Aggregatzustandes verliert das Gas an Volumen und lässt sich leichter transportieren. Nach der Ankunft im Zielhafen nimmt es durch Verdampfung wieder seinen gasförmigen Zustand an und kann in Deutschlands Rohrleitungen eingespeist und von Gasnetzbetreibern an seinen Bestimmungsort transportiert werden. Da der Vorgang des Verflüssigens sehr energieintensiv ist, lohnt sich diese Art des Transports erst ab längeren Strecken. Auf kürzeren Wegen ist der Transport über Pipelines wirtschaftlicher. Sogenannte LNG-Terminals mit Anschluss an das deutsche Gasnetz gibt es in der Bundesrepublik derzeit noch nicht. Es gibt aber Projektvorhaben, die derzeit geprüft werden. In den Nachbarländern Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen existieren mehrere LNG-Terminals.

Innerhalb Deutschlands transportieren die Fernleitungsnetzbetreiber das Gas in die jeweiligen Regionen. Nachgelagerte Verteilernetzbetreiber, wie etwa Stadtwerke, sorgen für die weitere Verteilung des Gases bis zum Endverbraucher. Gas, das nicht zum zeitnahen Verbrauch vorgesehen ist, kann unterirdisch in großen Speicheranlagen eingelagert werden. Die deutschen Gasspeicher, mit ihrem Speichervolumen von 234 TWh  gelten als wichtige Säule der Versorgungssicherheit, da sie Importengpässe auch über längere Phasen – etwa wegen unerwartet langen und harten Wintern – überbrücken können. 

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